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'Transformation - Lichtbündel' von Lydia Nüüd. Foto: Andrea Dingeldein

"Transformation - Lichtbündel" von Lydia Nüüd. Foto: Andrea Dingeldein

Kunstprojekt

Lydia Nüüd: „Transformation – Lichtbündel“

Zum 500. Reformationsjubiläum hat die Evangelische Kirche im Rheinland das Kunstprojekt "reFORMation transFORMation" realisiert. Eine der elf eingeladenen Künstlerinnen und Künstler ist  Lydia Nüüd. Ihr Beitrag trägt den Titel "Transformation - Lichtbündel".

Spannt die evangelische Kirche ihre Netze aus? Sind sie leicht und durchlässig, so dass sich nur verfängt, wer sich verfangen möchte? Lassen die Netze eine Wandlung und Transformation des Glaubens zu? Um offene Fragen wie diese geht es bei dem Projekt von Lydia Nüüd, das die Betrachterin und den Betrachter einladen soll, eigene Antworten zu finden.

Die Künstlerin gestaltet aus Verpackungsschnur gehäkelte Spiralen-Säulen, die sieben bis zehn Meter hoch sind. In den Mittelschiffen der am Projekt beteiligten Kirchen hängen sie an einem Drahtseil, das die Künstlerin zwischen Pfeiler im Innenraum spannt. Die Spiralen-Säulen sind lichtdurchlässig und leicht. Teils weiß, teils farbig gestaltet, bündeln sie das Licht. Intensive Bestrahlung verstärkt das Licht- und Schattenspiel. Der Innenraum der Kirche wird erfahrbar, bekommt Volumen, Inhalt, Dichte und Dynamik.

Die Spiralen-Säulen verweisen sinnbildlich auf Wandlungs- und Transformationsprozesse des Glaubens, der stets in Bewegung ist und häufig in ein „vertikales Denken“ mündet, wie Lydia Nüüd bemerkt. Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Die Spiralen deuten ein System von oben und unten an und winden sich in beiden Richtungen einer Unendlichkeit entgegen.

Das Anstrahlen der Spiralen-Säulen soll die inhaltlichen Ziele der Installation untermalen. Die Spiralen-Säulen haben fließende Formen und Öffnungen – wie der menschliche Glaube. Die Wirkung der Spiralen-Säulen variiert bei der Wanderausstellung und ist von der Architektur des jeweiligen Kirchraums abhängig. 

Lydia Nüüd

Lydia Nüüd

Lydia Nüüd (geboren in Tartu/Estland) lebt als freischaffende Künstlerin seit 1991 in Koblenz. Sie hat Design und Kalligrafie gelernt und Malerei an der Estnischen Kunstakademie in Tallinn studiert. Ihre bevorzugte Arbeitsweise: „in Situ“, also „am Ort“, im Bereich Installation, Environmental Art und Land Art.

Die Umgebung, der Raum und die spezifische Situation sind Ausgangspunkt ihrer Installationen. Dazu verwendet sie Materialien aus der Natur und der Region, in der sie arbeitet, wie Muscheln, Erde, Steine, Holz, Weinkorken, Sisalkordel und Schnüre. Lydia Nüüd hat zahlreiche Projekte in öffentlichen Räumen im In- und Ausland realisiert. 

Thomas Becker / 10.3.2017


„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“