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'Orgel und Harfe im Dialog' von Zipora Rafaelov, hier in der Düsseldorfer Johanneskirche. Foto: Gerald Biebersdorf

"Orgel und Harfe im Dialog" von Zipora Rafaelov, hier in der Düsseldorfer Johanneskirche. Foto: Gerald Biebersdorf

Kunstprojekt

Zipora Rafaelov: Orgel und Harfe im Dialog

Zum 500. Reformationsjubiläum hat die Evangelische Kirche im Rheinland das Kunstprojekt "reFORMation transFORMation" realisiert. Eine der elf eingeladenen Künstlerinnen und Künstler ist  Zipora Rafaelov. Sie hat das Werk "Orgel und Harfe im Dialog" verwirklicht.

Als „Königin der Instrumente“ bezeichnen Protestantinnen und Protestanten die Orgel. Im Judentum dagegen genießt die Harfe einen hohen Stellenwert – mit Blick auf die Harfe von König David, von der die Tora erzählt. Die Skulptur der israelischen Künstlerin Zipora Rafaelov vereint Orgel und Harfe: Aus dem trapezförmigen Rahmen der ausrangierten Orgel aus der evangelischen Christuskirche in Dormagen bildet sie für die Ausstellung eine Harfe nach. Sie spannt senkrechte Schnüre im trapezförmigen Rahmen, dadurch bekommt ihr Objekt die Anmutung einer Harfe.

In die Verspannungen arbeitet Zipora Rafaelov von ihr gestaltete Elemente ein, die Tiere, Pflanzen, Alltagsgegenstände oder fantastische Gebilde darstellen. Das Werk wird so angestrahlt, dass an Kirchwänden die Schatten der gestalteten Elemente zu sehen sind. Je nach Anstrahlung ändern die scherenschnittartigen Silhouetten ihre Form, es entsteht ein Wechselspiel aus Licht und Schatten.

Die Installation lädt dazu ein, die Wirkungen der Reformation auf den christlich-jüdischen Dialog zu hinterfragen, mit Licht und Schatten. Dazu zählen der Antijudaismus und der Antisemitismus, den Martin Luther gerade in seinen späten Schriften äußerte. Die Symbiose von Harfe und Orgel im Kunstwerk deutet an, dass aus christlich-jüdischem Erbe etwas Gemeinsames erwächst. Wie in den meisten Arbeiten von Zipora Rafaelov tragen Schatten auch eine positive Bedeutung – als Schatten, der beispielsweise vor Wärme und Sonne schützt. 

Zipora Rafaelov

Zipora Rafaelov

Zipora Rafaelov (*1954 in Beer-Sheva/Israel) lebt und arbeitet in Düsseldorf und Tel Aviv. Sie studierte zunächst Journalismus und Wirtschaft an der Universität Tel Aviv, brach das Studium ab und wechselte ans Institut für Schöne Künste in Bat-Yam (Israel). In den 1980er-Jahren setzte sie ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fort und beendete es als Meisterschülerin.

Für ihre dreidimensionalen Objekte verwendet sie ausschließlich schwarze und weiße Materialien, meist filigrane Fäden und Papier-Schattenrisse. Als Bildhauerin und Scherenschnitt-Künstlerin ist Zipora Rafaelov international tätig. Sie wurde 2014 mit dem Rheinischen Kunstpreis ausgezeichnet. 

Thomas Becker / 10.3.2017


„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“